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Tische, Töne, Tanzen - „La Louve“, Karlsruhe

Tische, Töne, Tanzen - „La Louve“, Karlsruhe

Das Nachtleben befindet sich im Wandel. Schon immer. Große Flächen sind nicht mehr so leicht zu füllen. Mittelmaß lockt niemanden mehr an. Besondere Konzepte sind gefragt. Der Zeitgeist verlangt Premium, und Philipp Haag liefert. Im Hirschhof, einer früher verruchten Straße mit Hinterhofcharakter, hat der Multigastronom Karlsruhes neue Ausgehmeile etabliert. Der neue Black- und House-lastige Salon-Club „La Louve“ ist dabei das exklusive Sahnehäubchen.

Vor zweieinhalb Jahren startete der heute 39-Jährige mit dem hochwertigen Restaurant „Dom – Grill, Kitchen, Bar“ und legte damit den Grundstein für die Neuausrichtung des Hirschhofs. Im letzten Jahr kam die Bar „Guts & Glory“ mit dem mehrfach ausgezeichneten Bar-Original Mo Kaba hinzu, seit April werden auch die Freunde des gehobenen Nachtlebens erstklassig bedient.

Philipp Haag ist in Karlsruhe beileibe kein Unbekannter. Seit 2000 prägt er die erstaunlich breit gefächerte Nachtgastronomie der 250.000-Einwohnerstadt. Mit dem Micro-Club „Cervo“ wurde er auf Anhieb zum Shootingstar. Insider sprachen vom „P1 von Karlsruhe“. Tatsächlich sorgte Torwartunikum Oliver Kahn früher mal für nationale Schlagzeilen, als er dort abfeierte, obwohl er verletzt gemeldet war. Zu dieser Zeit entstand die enge Verbindung mit Moet Hennessy. Schampus und Premium-Wodka waren schon damals die Säulen des Umsatzes. Danach eröffnete der Gastronom weitere Clubs und andere Lokale, wie die „Cantina Majolika“ (2004-2007), das „Rockatiki“ (2006-2009), die „Heimat“ unterm Hauptbahnhof (2013-2015) und die „Venus Bar“ (seit 2013). Im „Rockatiki“ kam es durchaus vor, dass der in langen Schlangen auf Einlass wartenden Crowd plötzlich erklärt wurde, der Eintritt sei nun von zehn auf 15 Euro gestiegen. Das Volk zahlte bereitwillig, nur um dabeizusein.

Ganz ähnlich läuft es nun im neuen Hirschhof-Club. Die Keller-Location fasst maximal 200 Personen, die Tür ist entsprechend hart. Wer eingelassen wird, darf staunen. 14 Tische stehen ab 300 Euro pro Nacht zur Vermietung. Für den für bis zu acht Personen ausgelegten Center-Table mit Vorhang müssen sogar 1500 Euro gezahlt werden. Von VIP-Areas spricht trotzdem niemand. Das gesamte „La Louve“ sieht sich als VIP-Bereich. Philipp Haag trifft damit voll ins Schwarze „Wir sind ganz gut gebucht“, stapelt er tief. Sein Pro-Kopf-Umsatz dürfte mehr als doppelt so hoch liegen wie im Landesdurchschnitt. Kein Wunder, deutlich wird auf den Flaschenverkauf fokussiert. Auch deshalb bleiben Gäste ohne Reservierung oft draußen, herumstehende Clubber sind im „La Louve“ nicht sonderlich willkommen.

„Die Größe des Clubs war verlockend, da hast du schon mit 100 Gästen Atmosphäre“, erklärt Haag, „ich bin mehr für kleine überschaubare Läden, die sich schnell amortisieren.“ Gerade für die Zielgruppe 25 plus sah er in Karlsruhe großen Bedarf. Drei Monate lang wurde umgebaut. Rund 200.000 Euro wurden investiert. Das Resultat kann sich sehen lassen. Als Geschäftsführer der CMB GmbH und Nightmanager zieht der 45-jährige Omar Belkouaci an den Fäden, der zuletzt den Kehler „Goldclub“ geleitet hatte und in St. Tropez als Eventmanager tätig war.

„Excuse me, why are you so sexy?“ strahlt es dem Gast aus grell leuchtenden Lettern entgegen, wenn er über die weichen, mit Teppich bestückten Treppenstufen ins Allerheiligste schreitet. Der eigentliche Clubraum ist schmal und lang, der hochwertigen Designerbar gegenüber befinden sich die Tische. Leicht erhöht stehen weitere drei Tische und das Center-Separee zur Verfügung, Eine Tanzfläche ist nicht erkennbar. Der Gast bewegt sich dort, wo es ihm gefällt.

Im gesamten Raum ist Teppich verlegt, die Wände sind mit schweren Samtvorhängen verkleidet – 40.000 Euro hat das gekostet. Über dem langen Bartresen hängen Dutzende goldig glänzende Rohre mit warmweißer LED-Bestückung, die sich mit ihrem fahlen Licht in den Spiegeln hinter der Bar endlos multiplizieren. Die Barrückregale gehören Belvedere. Die mattweißen Flaschen fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Einzigartig sind die beiden kleinen Red Bull Kühlschränke, die wie der Boden mit zartviolettem Teppich überzogen sind. Verkaufsrenner sind Moet & Chandon, Dom Pérignon und Belvedere, der nicht nur mit Red Bull, sondern auch gern mit Lemon von Aqua Monaco und Soda gemischt wird. Bierfreunde freuen sich über die neuen 0,25-l-Flaschen von Warsteiner,

Für Andreas Bünemann, den Chef des Beschallungsmarke LAX aus Karlsbad, mit dem Philipp Haag seit seinen „Heimat“-Zeiten erfolgreich zusammenarbeitet, war das „La Louve“ eine echte Herausforderung. Während die Samtvorhänge für eine extreme Dämpfung des Sounds sorgen, erzeugen die Spiegelwände das genaue Gegenteil. Bünemann löste die Problematik, indem er allen Lautsprechern einen eigenen Controller-Kanal zuwies und jeden einzeln frequenz- und delaytechnisch einmaß. Zusätzlich sorgt der analoge Deintermodulator „DREI Pro“ von Neutral Audio – Vertrieb über LAX – für aufgeräumte Signale, eliminiert das Rauschen und legt den Fokus aufs Wesentliche. Im Mitten/Höhen-Bereich war ursprünglich eine Vier-Punkt-Beschallung vorgesehen, für die Koaxial-Systeme im Punktquellendesign ausgewählt wurden. Der langgezogene Raum mit seiner speziellen Einrichtung verlangte aber mehr. Auf halber Strecke ergänzen daher zwei weitere Topteile die durch die Dämpfung entstandenen Soundlücken.

Philipp Haag zeigt sich von der Installation begeistert. „Sound und atmosphärische Beleuchtung sind extrem aussschlaggebend für den Erfolg“, sagt er, „die Grundfaktoren wie Service und Ambiente müssen sowieso stimmen.“ Dabei sind die Bedürfnisse je nach Uhrzeit ganz unterschiedlich. Zu Beginn der Nacht überwiegt Bar- und Lounge-Flair, zu späterer Stunde soll der gesamte Club zu einem einzigen Feierareal werden. Die Zukunft des Nightlifes sieht Philipp Haag optimistisch. „Es kommt immer aufs Konzept an“, nickt er. Chancenreich sei die Individualgastronomie voller Herzblut mit ordentlicher Organisationsstruktur.

Text: Klaus Niester